Ich will das Thema jetzt nicht durchreiten, aber folgende kleine Aufzählung muss ich noch bringen. Alles Originalüberschriften:
Hoher Ölpreis: Wirtschaft sieht Arbeitsplätze bedroht SPIEGEL ONLINE - 04.07.2008
Ölpreisschock: Dax startet im Minus SPIEGEL ONLINE - 03.07.2008
Ölpreis-Anstieg: Neckermann streicht teure Hotels und erhöht Reisepreise SPIEGEL ONLINE - 01.07.2008
Hoher Ölpreis: Nervöse Anleger schicken Dax auf Talfahrt SPIEGEL ONLINE - 30.06.2008
Hoher Ölpreis: Dax macht Vormittagsverluste wieder wett SPIEGEL ONLINE - 30.06.2008
Rekord-Ölpreis: Stagflationsangst macht Anleger nervös SPIEGEL ONLINE - 27.06.2008
Rekord-Ölpreis: Gasprom-Chef attestiert Opec Machtlosigkeit SPIEGEL ONLINE - 27.06.2008
Rekord-Ölpreis: Inflation springt auf höchsten Stand seit 15 Jahren SPIEGEL ONLINE - 27.06.2008
Hoher Ölpreis: United Airlines entlässt fast tausend Piloten SPIEGEL ONLINE - 24.06.2008
Hohe Kerosinpreise: Condor-Übernahme durch Air Berlin steht auf der Kippe SPIEGEL ONLINE - 24.06.2008
Offensichtlich ist "Ölpreis" im Moment ein besserer Anreißer, als "Sex". Es kann doch nur noch eine Frage der Zeit sein, bis wir lesen:
Rekord-Ölpreis: Schäuble fordert Kameraüberwachung von deutschen Wohnzimmern
Rekord-Ölpreis: Siemens-Vorstände verachtfachen ihr Gehalt
Rekord-Ölpreis: Vielleicht billiger bei eBay? (sponsored link)
Rekord-Ölpreis: Britische Forscher finden einen Furz von Hitler - in einer alten Coladose
Ok, die letzte Schlagzeile ist natürlich für die BILD-Zeitung gedacht. Aber bei dem aktuellen Niveau vom Spiegel springen die sicher gerne mit drauf.
Nachtrag:
Passend dazu
dieser BildBlog-Artikel
Offensichtlich hat die ARD ähnlich viel Handlungsbedarf gesehen wie ich und rasch ein paar Experten zu einer Diskussionsrunde über die hohen Spritpreise zusammengetrommelt (der Spiegel hat übrigens noch nicht angerufen). Mit dabei der Generalsekretär der CDU Ronald Pofalla. Heidewitzka, Herr Kapitän, der versteht es aber einen trögen Plausch mit allerlei humoristischen Spitzen aufzulockern. Hier die Besten:
1. Die Pendlerpauschale kommt nicht zurück - das wäre unsozial!
Begründung: Durch die Pendlerpauschale werden Besserverdiener stärker entlastet als Schlechterverdiener. Wegen der Steuerprogression. Das leuchtet ein. Deshalb werden auch die Niedriglöhner besser erstmal gar nicht entlastet. So "sozial" muss man erstmal sein.
2. Die Pendlerpauschale betrifft nur die Wenigsten!
Genau, Herr Pofalla, nämlich die die arbeiten. Ohne Quatsch, der hat tatsächlich gesagt, das Thema sei überbewertet, weil ja von den 80 Mio Deutschen nur 40 Mio arbeiten gehen und davon nur 56% pendeln. Also betrifft das nur 28% der Bevölkerung, also einen verschwindend geringen Anteil. Außerdem sind das bestimmt die ganzen Nichtwähler, deshalb auch die Wahlbeteiligung von 72% bei der letzten Wahl.
3. Atomstrom ist Ökostrom!
Zwar, räumte Herr Pofalla ein, sei das bewusst überspitzt formuliert, dennoch sei Atomstrom von der Ökobilanz her das bei weitem Beste. Gefragt, ob in Anbetracht von Tschernobyl und dem kürzlich ausgerufenen europaweiten Atomalarm sein Gedächtnis da nicht ein wenig zu kurz sei, antwortete er allen Ernstes, er rede ja nicht von ukrainischen, schwedischen oder slowakischen Atomkraftwerken, sondern von deutschen. Na dann.
4. Wir machen’s nicht noch schlimmer, das ist doch schonmal was!
Auf die Tatsache angesprochen, dass die gesetzlich vorgeschriebene Beimischung von 5% Biosprit zum Benzin erwiesenermaßen eine ökologische Katastrophe ist und was die Bundesregierung da wohl unternehmen wolle, meinte Herr Pofalla, die Anhebung der Beimischung auf 10% sei ausgesetzt worden. Auf die Feststellung, dass es ja wohl keine Heldentat sei, lediglich auf weitere Verschlimmerungen zu verzichten, meinte er schlicht und trotzig: "Doch!"
Also manchmal überlege ich mir wirklich, warum ich hier noch versuche satirische Beiträge zu erfinden. Life is stranger then fiction.
Derzeit scheint wohl nichts einfacher zu sein, als bei spiegel.de einen vielzeiligen Artikel über sich zu generieren. Man muss einfach nur einen beliebige (zur Zeit) dreistellige Zahl in die Runde werfen und mit dem Wort "Ölpreis" verknüpfen. Beispiele gefällig? (jeweils die Schlagzeilen auf spiegel.de mit Datum)
26.06.08: Opec-Boss spekuliert über Ölpreis von 400 Dollar
23.06.08: Institut warnt vor Ölpreis von 300 Dollar
18.06.08: Deutsche Top-Manager erwarten Ölpreis von 180 Dollar
12.06.08: Venezuelas Präsident rechnet mit Ölpreis von mehr als 200 Dollar
11.06.08: Gasprom-Chef prophezeit Ölpreis von 250 Dollar
07.05.08: US-Experten erwartet Ölpreis von 200 Dollar
So, und jetzt bitte festhalten:
kannstehaben.org garantiert Ölpreis von 1.800 Dollar!
Wie heute aus Kreisen des radikalen Meinungsmachers "kannstehaben.org" verlautete, rechnet der beliebte Kolumnist QWERTZ langfristig mit einem Anstieg des Ölpreises auf 1.800 Dollar. "Bei 3% Inflation kann man ich ausrechnen, wann es soweit sein wird.", so QWERTZ. "In nicht einmal 2 Jahren werden wir uns kaum mehr das Öl leisten können, aus dem der Kunststoffanteil der Autoreifen gemacht wird. Wir werden daher auf Ledersohlen mit Porzelanschälchen zur Tanke laufen, um darin verschütteten Diesel aufzunehmen. Damit wird mancher Familienvater mehr verdienen, als mit seinen 8 Minijobs."
An die Onlinepraktikanten, äh, -journalisten: Ihr könnt mich über diese Seite kontaktieren. Auf Wunsch kann ich das Horrorszenario beliebig illustrieren. Für einen Bericht mit Foto mach ich quasi fast alles.
Ich war gestern auf einer Hochzeit. Und hochzeitstypisch hat auch jeder, der mit einem der Brautleute Gene teilt, versucht das Leben der beiden in Reime zu fassen. Schön, soll ja so sein.
Aber! Hat den keiner einen Blick in das Buch der Verbotenen Reime geworfen? Es ist sehr dick, aber leider wenig gelesen. Zur Erinnerung: DAS hier geht ÜBERHAUPT NICHT:
grandios/ famos - groß
wunderbar - Jahr
Herz - Schmerz
Und natürlich viele andere.
Noch zwei wohlmeinende Ratschläge:
1. Gedichte sind in der Regel nicht nur am Ende gereimt, sondern unterliegen auch einem gewissen Rhythmus, Metrik oder Versfuß genannt. Es ist ein Irrglaube, dass man den Versfuß beliebig dem Reim unterordnen darf. Eher umgekehrt wird ein Schuh draus.
2. Der Hobbydichter sollte nur Wörter verwenden, die in seinem gewöhnlich verwendeten Sprachschatz vorkommen. Wörter, die Ihre Daseinsberechtigung allein der Tatsache entnehmen, dass sie mit anderen Wörtern reimen (grandios, famos usw.) sind unbedingt zu vermeiden. Darüber hinaus sollte nur solche Wörter verwendet werden, deren Bedeutung dem Verfasser
vollständig bekannt ist. Oder um es in einem aktuellen Beispiel zu sagen: Sowohl das Wort "Dilemma", als auch das Wort "Eklat" sind KEINE Synonyme für "Problem", auch wenn in den Reim oder den Versfuß passen.
P.S.: Und Hochzeitssänger dürfen bei der Musikauswahl auch gerne mal auf Text achten. "Yesterday all my trouble seemed so far away, now I need a place to hide away, oh I believe in yesterday" - am Abend der Trauung? Grenzwertig...
Alles könnte so schön sein! Zum Bespiel die Freude über den grandiosen Sieg gegen die Türken. So laut habe ich glaube ich schon lange kein Tor mehr gefeiert, wie das geile 3:2 von unserem Helden Lahm. Was für eine Dramatik: Erst verbockt er es fast, als er sich mit einem simplen Bauerntrick ausspielen lässt, aber dann... Vom Arschloch zum Volksheld in nur 2 Minuten. Und die ganze Nation liegt ihm zu Füßen, solche Geschichten schreibt nur der Fußball.
So
könnte es sein, wenn wir Italiener, Russen, Spanier, Usbeken, Indonesier oder sonstwer wären. Sind wir aber nicht, wir sind Deutsche. Und weil ich ja gerade in einer Behörde arbeite, dem deutschesten Ort überhaupt, war mir auch schon klar, was mich am Donnerstag erwarten würde, und enttäuscht wurde ich selbstverständlich nicht.
Nee nee nee, was für einen Scheiß die wieder gespielt haben, das beste waren noch die 6 Minuten Bildausfall, ach wie überheblich, ein technischer und taktischer Offenbarungseid (Rumpelfußball), kriegen Millionen und könne keinen Ball stoppen, und der Metzelder, wie schlecht, und der Ballack, wenn der mal einen auf die Füße gestellt bekommt, und der Lehmann, gut dass die Türken nicht öfter aufs Tor geschossen haben, läster, laber, keif. Man hab ich mich gefreut als die Türken das 2:2 geschossen haben, endlich die Quittung, aber die Deutschen wieder mit ihrem Glück.
Und dann natürlich der Kollege, der original seine Kaffeetasse in
jedes Zimmer trägt, um seine Zote zum besten zu geben, die Schweizer Kantonspolizei habe die Deutschen auf dem Weg zum Bus verhaften wollen, weil in der Schweiz Glücksspiel auf öffentlichen Plätzen verboten sei. Was für ein Brüller!
Die Griechen sind Europameister geworden, ohne ein einziges gutes Spiel! Die Italiener sogar Weltmeister. Hat das eine Sau in Hellas und Italia interessiert? Die Türken haben sich mit Glück und Kampfgeist ins Halbfinale gemogelt und jeder Sieg geht als das die nächste Schlacht im Großen Vaterländischen Kieg in die Geschichte ein.
Können wir die Diskussion, ob Westermann nicht die bessere Alternative in der Innenverteidigung gewesen wäre, ob die Laufwege von Rolfes und Hitzelsperger eventuell nicht ganz optimal aufeinander abgestimmt waren und ob Ballack der überschätzteste Spieler der Weltgeschichte ist nicht vielleicht auf nächste Woche verschieben? Und uns vielleicht einfach mal drüber freuen, dass wir im Finale sind?
Übrigens: Natürlich war mir klar, dass der Kollege heute seine Tour durch die Büros mit der Prognose machen würde, dass wir im Finale ordentlich abgeschlachtet werden. Zu seiner völligen Überraschung musste ich ihm zustimmen. "Wenn wir genause Scheiße spielen, wie die ganze Zeit, außer jetzt gegen Polen und Portugal, und die Spanier genauso geil, wie die ganze Zeit, außer jetzt gegen Schweden, Griechenland und Italien, dann wird das übel. Ganz übel! Zweistellig, schätze ich."
Der Kollege ist dann ins nächste Zimmer. Mit mir kann man einfach nicht diskutieren.